Kollegiale Beratung/Intervision

Anmerkungen zum Video und zur Arbeitsweise
Es gehört zu meinem professionellen Selbstverständnis, meine Arbeit mit Kolleginnen und Kollegen zu reflektieren. Ich arbeitete regelmässig in Gruppen, die sich treffen um den fachlichen Erfahrungsaustausch zu pflegen. In der kollegialen Beratung, auch Intervision genannt, treffen wir uns 6 bis 8 mal pro Jahr für ca. 4 Stunden. In dieser Gruppe sind wir vier Frauen, die teils selbständig, teils angestellt als Coaches und Beraterinnen arbeiten. Grundlage unserer Arbeit ist die lösungsorientierte und daher sehr strukturierte Beratungshaltung.

Das Kurzvideo soll einen groben Einblick in unsere Arbeitsweise vermitteln. Aus Gründen der Vertraulichkeit enthält das Video keine inhaltlichen Aussagen zum vorgebrachten Anliegen. Es handelt sich um einen Zusammenschnitt eines ganz normalen Treffens der Intervisionsgruppe.

Die Arbeitsweise
Zu Beginn jeder Sitzung sammeln wir die Anliegen mit einer Schlagzeile, die verdeutlichen soll, worum es geht und machen eine Zeitplanung. Wir haben sehr gute Erfahrungen damit gemacht, unser Vorgehen klar zu strukturieren.

Die Moderatorin erfragt zu jedem Anliegen was ein gutes Ergebnis der Bearbeitung wäre, das Ziel und ob es eine spezielle Frage an die Gruppe gibt.

Die Schilderung der Ausgangssituation und des Kontextes des Anliegens halten wir möglichst kurz. Wir gehen davon aus, dass die Person, die ihr Anliegen einbringt, auch die Expertin der Situation ist und bleiben soll. Es geht also eher darum, dass die Gruppe sie befähigt, eine Lösung für ihr Anliegen zu entwickeln, statt alles genau verstehen zu wollen und Ratschläge zu geben. Während der Schilderung und der Bearbeitung gibt es viele Möglichkeiten für die Gruppe aktiv sich aktiv zu beteiligen: Eine Person kann aufzeichnen, was Sie vom Anliegen verstanden hat. Andere können darauf achten, welche Ressourcen bereits in der Schilderung sichtbar werden oder können auf die spezielle Fragestellung an die Gruppe achten. Beispielsweise bei der Frage: "Wie wirke ich, wenn ich euch das erzähle? Ich weiss nicht, habe ein eigenartiges Gefühl bei der Sache. Wie kommt das bei euch an? Was geht euch durch den Kopf, wenn ich die Situation erläutere?"

Bereits diese ersten Rückmeldungen ermöglichen ein erweitertes Bild von der geschilderten Situation. Dies ist der Ausgangspunkt, an dem nach einer geeigneten Methode zur Bearbeitung oder Lösung des Anliegens gesucht wird. Wir sammeln Ideen und die Person, die ihr Anliegen einbringt, entscheidet sich für eine Methode.

Die Art der Bearbeitung hängt von der gewählten Methode ab. Im Video ist es das Tetralemma. In diesem Fall übernimmt die Gruppe weitgehend Beobachtungsaufgaben.

Zum Abschluss der Bearbeitung hat sich die Skalierungsfrage bewährt. „Auf der Skala von 1 bis 10, wo bist du jetzt bezüglich deines Anliegens? Und wenn du einen kleinen Schritt weiter wärest, was hättest du dann getan? Somit leiten wir zur Umsetzung über, bevor wir die abschliessende Feedback- und Reflexionsrunde vornehmen.

Die Bearbeitung einzelner Fragen oder Anliegen kann zwischen einer viertel Stunde und einer Stunde variieren. So lassen sich gut drei bis fünf Anliegen bearbeiten.

Das Faszinierende an dieser kollegialen Beratung ist der hohe Energiepegel. Jedes Gruppentreffen verlassen wir mit Anregungen, Ideen und einer grossen Dankbarkeit, da jede Person sich von der Gruppe getragen und unterstützt fühlt. Eine kollegiale Beratung lässt sich als Fortsetzung von Gruppencoachings oder Gruppensupervisionen aufbauen und ist eine grosse Bereicherung im Führungs- wie auch im Beratungsbusiness.